Generative künstliche Intelligenz für die Informationsnavigation

Das Projekt mit dem englischen Original-Titel „Generative Artificial Intelligence for Information Navigation“ untersucht, wie häufig und in welchen Bereichen generative Künstliche Intelligenz (KI) wie Chat GPT privat und beruflich genutzt wird. Besonders interessiert uns, inwiefern generative KI für politische Informationszwecke im Rahmen der Europawahl 2024 und im Bildungswesen eingesetzt wird.

Vor allem in Bezug auf politische Informationsbeschaffung besteht die Befürchtung, dass generative KI zu einer abnehmenden Nutzung journalistischer Quellen führen kann. Eine zunehmende Fragmentierung der Öffentlichkeit sowie ein Anstieg an falschen oder inakkuraten KI-generierten Informationen wären mögliche Konsequenzen.

Fehlerhafte Informationen und eine abnehmende Eigenständigkeit von Nutzer:innen generativer KI stellen auch im Bildungskontext eine Sorge dar. Hier werden sowohl die zunehmende Auslagerung kognitiver Arbeit auf automatisierte Systeme als auch die unkritische Übernahme von KI-generierten Informationen und abnehmende Eigenständigkeit als Risiken genannt. Für Bildungseinrichtungen und -anbieter stellt generative KI etablierte Prüfungskonzepte in Frage und beinhaltet daher großes disruptives Potential.

Mittels einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung untersucht das Forschungsvorhaben, welche Verbreitung und Nutzungsfelder generative KI im privaten und beruflichen Kontext hat. Ein besonderer Fokus dieses Projekts liegt darauf zu erfahren, inwiefern generative KI für politische Informationszwecke im Rahmen der Europawahl 2024 und zur Informationsbeschaffung im Bildungskontext eingesetzt wird.

Ergebnisse

Künstliche Intelligenz in Anwendungen wie ChatGPT oder Google Gemini, sogenannte generative KI, wird bereits von knapp 44 Prozent der Onlinebevölkerung genutzt. Die Nutzung hängt stark mit dem Alter zusammen. In der Altersgruppe der 16- bis 19-Jährigen nutzen bereits knapp 96 Prozent generative KI. Bei Menschen im Alter von 60 bis 69 Jahren sind es gut 18 Prozent.

Die Mehrheit der Nutzenden verwendet generative KI bisher selten; die Technologie ist bisher meist nicht in den Alltag integriert. Das gilt jedoch nicht für junge Menschen im Bildungskontext. Hier wird generative KI von einer Mehrheit bereits häufig genutzt – was eine verstärkte Beobachtung der Risiken und Chancen dieser Nutzung erforderlich macht.

Der wichtigste Grund, generative KI nicht zu nutzen, ist ein fehlender persönlicher Bedarf. Daneben sind insbesondere für ältere Menschen Verständnisprobleme, wie nicht zu wissen, wo oder wie generative KI genutzt werden kann, relevant. Wenn man generative KI für alle Menschen zugänglich machen möchte, sollten diese Hürden gezielt abgebaut werden.

Die Nutzung generativer KI für politische Informationen oder als Nachrichtenersatz ist derzeit kaum verbreitet. Personen, die generative KI für solche Zwecke verwenden, nutzen auch klassische Nachrichtenmedien überdurchschnittlich oft, was Befürchtungen relativiert, dass generative KI den Journalismus verdrängen könnte.

  • Teil 1 des Videos Nutzung generativer KI in Deutschland auf YouTube
  • Teil 2 des Videos Nutzung generativer KI für politische Informationen auf YouTube
  • Der vollständige Bericht zum Forschungsprojekt ist hier zu finden: Reiss, Michael V.; Knor, Eva Luise; Stöwing, Ezra; Merten, Lisa; Möller, Judith (2025): Zwischen Neugier und Skepsis: Nutzung und Wahrnehmung generativer KI zur Informationssuche in Deutschland. Hamburg: Verlag Hans-Bredow-Institut, März 2025 (Arbeitspapiere des Hans-Bredow-Instituts | Projektergebnisse Nr. 76), https://doi.org/10.21241/ssoar.100907
  • Und wer lieber einen Podcast zum Thema hören möchte: Im BredowCast #97 „Verbreitung, Nutzung und Akzeptanz generativer KI-Systeme in der deutschen Bevölkerung“ erläutern Eva Knor und Michael Reiss ihre Forschungsergebnisse und erklären, warum es einen Unterschied macht, ob ich eine generative KI frage, wie lange ein Ei kochen muss oder welche Partei wofür steht, warum ChatGPT „weiß“, dass eine Ampel rot, gelb und grün ist und nicht blau, und warum eine Google-Suche manchmal der bessere Ratgeber ist.

 

Logo "Gefördert vom Bundesministeriums für Bildung und Forschung"

Foto von Igor Omilaev auf Unsplash

Projektdetails

Überblick

Laufzeit Beginn: 2024; Laufzeit Ende: 2024

Programmbereich: PB 1 Gesellschaftliche Funktionen von Kommunikation und Medien

Forschungsgruppe: Mediennutzung und ihre gesellschaftlichen Effekte

Kontakt

Dr. Michael Reiss

Dr. Michael Reiss

Assoziierter Mitarbeiter Mediennutzung

Ludwig Maximilian Universität München
Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung
Akademiestr. 7
80799 München

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