Mediennutzung und ihre gesellschaftlichen Effekte

Wie informieren sich Menschen in digitalen Medienumgebungen – und welche Folgen hat das für Individuen, Gesellschaft und Demokratie?

Die Forschungsgruppe „Media Use and Societal Effects“ (MUSE) untersucht, wie Menschen Nachrichten und andere informationsbezogene Inhalte nutzen, wie sich diese Praktiken im Zuge technologischer und gesellschaftlicher Veränderungen wandeln und welche Auswirkungen dies auf Individuen, Öffentlichkeit und demokratische Gesellschaften hat.

Digitale Informationsumgebungen

Im Mittelpunkt unserer Forschung stehen digitale Informationsumgebungen. Dazu gehören klassische Nachrichtenangebote wie News-Websites und journalistische Apps ebenso wie soziale Medien, Suchmaschinen, Messenger-Dienste, generative KI und andere digitale Informationsquellen. Wir betrachten dabei nicht nur Nachrichten im engeren Sinne, sondern ein breiteres Spektrum politischer und gesellschaftlicher Informationen, mit denen Menschen im Alltag in Kontakt kommen. Dabei interessiert uns insbesondere, wie sich die Grenzen zwischen journalistischen, algorithmischen, sozialen und KI-basierten Informationsquellen verschieben und welche Rolle diese unterschiedlichen Akteure für die gesellschaftliche Orientierung von Bürger:innen spielen.

Praktiken der Informationsnutzung

Ein Schwerpunkt unserer Forschung liegt auf den Praktiken der Informationsnutzung. Wir untersuchen, wie Menschen ihr persönliches Informationsrepertoire über verschiedene Plattformen hinweg zusammenstellen, Informationen bewerten, deren Glaubwürdigkeit überprüfen und mit widersprüchlichen Informationen umgehen. Dazu gehören beispielsweise die Nutzung sozialer Medien zur politischen Information, die Bewertung und Validierung von Informationen aus generativen KI-Systemen sowie partizipative Formen des Umgangs mit Informationen. Wir erforschen, wie Menschen Informationen suchen, auswählen, teilen, kommentieren und in ihren Alltag integrieren.

Darüber hinaus interessiert uns, wie sich neue Informationsangebote etablieren. Wir untersuchen die Aneignung und Nutzung neuer Technologien, die Rolle digitaler Medien in der Sozialisation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen sowie die bewusste oder unbewusste Nichtnutzung von Nachrichten und anderen Informationsangeboten.

Wir untersuchen zudem die Mechanismen der Informationsbewertung und Vertrauensbildung sowie die Frage, wie Menschen unter den Bedingungen komplexer digitaler Informationsumgebungen die Qualität und Verlässlichkeit von Informationen einschätzen.

Gesellschaftliche und individuelle Auswirkungen

Die Forschungsgruppe untersucht nicht nur, wie Informationsnutzung stattfindet, sondern auch ihre Folgen. Dabei interessieren uns insbesondere Fragen der öffentlichen Anbindung, politischen Teilhabe, Meinungsbildung und demokratischen Handlungsfähigkeit.

Wir analysieren, wie digitale Informationsumgebungen politische Einstellungen und Verhaltensweisen beeinflussen und welche Rolle sie für politische Polarisierung, politische Selbstwirksamkeit, Vertrauen in Institutionen und gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen. Dabei erforschen wir sowohl Folgen (fehlender) Informationen als Mis- und Desinformation.

Gleichzeitig betrachten wir individuelle Folgen der Mediennutzung. Dazu gehören Fragen der gesellschaftlichen und sozialen Anbindung, Informationsüberforderung, des Gefühls gesellschaftlicher Orientierung sowie der Fähigkeit, sich in komplexen Informationsumgebungen zurechtzufinden.

Forschungsprofil

Methodisch verbinden wir Befragungen, digitale Verhaltensdaten, Inhaltsanalysen, qualitative Studien und computergestützte Verfahren, um Mediennutzung und ihre Folgen möglichst umfassend und realitätsnah zu erfassen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Kombination von Befragungsdaten mit digitalen Spurdaten, um tatsächliches Medienverhalten und dessen Auswirkungen besser zu verstehen.

Unsere Forschung entsteht in enger Zusammenarbeit mit nationalen und internationalen Partnern, darunter die GESIS – Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften, der Universität von Amsterdam, die Universität Bremen, die Universität Hamburg, die Aalto University, das Reuters Institute for the Study of Journalism der University of Oxford, die Ludwig-Maximilians-Universität München, die Queensland University of Technology in Brisbane sowie die Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Seit 2013 verantworten wir den deutschen Teil des Reuters Institute Digital News Report, einer der weltweit wichtigsten vergleichenden Langzeitstudien zur digitalen Nachrichten- und Informationsnutzung. Damit liefern wir zentrale Benchmarks zur Entwicklung der Nachrichten- und Informationsnutzung in Deutschland und tragen regelmäßig zur wissenschaftlichen und öffentlichen Debatte über den Wandel digitaler Informationsumgebungen bei.

Die Forschungsgruppe pflegt darüber hinaus einen engen Austausch mit Akteur*innen aus Medienpraxis, Politik, Bildung und Zivilgesellschaft. Unsere Forschungsergebnisse bringen wir regelmäßig in Vorträgen, Workshops sowie Beratungs- und Kooperationsprojekten mit Journalist*innen und Medienorganisationen ein, unter anderem mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa), ARD und ihren Landesrundfunkanstalten, dem ZDF sowie der Deutschen Welle. Darüber hinaus stehen wir im Austausch mit politischen Entscheidungsträger*innen und Bildungseinrichtungen. Diese Kooperationen dienen nicht nur dem Transfer wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Praxis, sondern liefern zugleich wichtige Impulse für die Identifikation gesellschaftlich relevanter Forschungsfragen und die Weiterentwicklung unserer Forschung.

Die Arbeiten der Mitglieder der Forschungsgruppe sind in führenden internationalen Fachzeitschriften erschienen, darunter Journal of Communication, Communication Theory, Communication Research, Public Opinion Quarterly, The International Journal of Press/Politics, Digital Journalism, New Media & Society, Information, Communication & Society, Journalism, Journalism Studies, Journal of Computer-Mediated Communication, International Journal of Communication, European Journal of Communication, Journal of Broadcasting & Electronic Media, Social Science Computer Review sowie Computational Communication Research. Unsere Forschung wurde gefördert von der DFG, NWO, BMFTR, DAAD, den Medienanstalten, und ARD und ZDF.

Übersicht

Leiter*innen

Letzte Aktualisierung: 24.09.2026

Beiträge, Meldungen, Projekte, Publikationen, Episoden

Jan Rau
Interview für The Guardian

Wie Elon Musk den Wahlsieg der AfD unterstützt hat

Jan Rau erläutert in der englischsprachigen Tageszeitung The Guardian, wie die AfD von Elon Musk profitiert und warum der Einfluss dennoch begrenzt ist. Die Dynamiken der medialen Aufmerksamkeit untersucht er im Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt am HBI.

Lego-Figuren in einem Sitzungssaal mit EU-Flaggen im Hintergrund eine Figur hält ein Schild mit der Aufschrift 'EU KIDS Act'
Beitrag im Media Research Blog

Der geplante EU KIDS Act – Überblick und Einordnung

In seinem Blogbeitrag gibt Stephan Dreyer einen Überblick über den EU KIDS Act als europaweiten Rechtsrahmen für den Online-Jugendmedienschutz und ordnet ihn ein. Der EU KIDS Act ist, so Stephan Dreyer, der bislang weitreichendste Versuch einer gesetzlichen Einhegung der Gestaltung von einer Vielzahl von Online-Diensten mit dem Ziel des Kinder- und Jugendmedienschutzes.

Portrait von Stephan Dreyer
Kinder – und Jugendschutz

EU KIDS Act – Vorschlag zur Regulierung sozialer Medien

Die EU-Kommission legt mit dem EU KIDS Act „nicht weniger vor als einen umfassenden EU-Ordnungsrahmen für den Jugendmedienschutz im digitalen Raum“, erläutert Stephan Dreyer in seinem Statement für das Science Media Center. Mit dem Verordnungsentwurf will die EU-Kommission neue Vorgaben für digitale Dienste durchsetzen, um Kinder und Jugendliche besser zu schützen.

oranges Reklameschild, das für die App Molo wirbt, an einer Bushaltestelle
Forschung wird praktisch

Vom Forschungsprojekt zur dauerhaften Plattform: molo bleibt

Bremen / Hamburg / Leipzig, 09.09.2026. Die Plattform molo (kurz für moving local) wird nach dreieinhalb Jahren gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsarbeit an der Universität Bremen weitergeführt und für neue Städte, Medien und Vereine geöffnet. Die gemeinwohlorientierte App bündelt lokale Informationen und ist inzwischen deutschlandweit, kostenlos, werbefrei und ohne Anmeldung nutzbar.

Portrait von Prof. Dr. Matthias Kettemann
Experten-Statement für das SMC

Muss KI-Entwicklung gebremst werden?

Matthias Kettemann erläutert in seinem Statement für das Science Media Center, der Vorschlag des Anthropic-CEOs Dario Amodei für eine kontrollierte Verlangsamung aktueller KI-Entwicklung sei ernster zu nehmen als frühere "Pause"-Appelle, weil er nicht vage nach einem Stopp ruft.

Jugendlicher liegt bäuchlings in eine Decke gewickelt und schaut bei schwachem Licht in einen leuchtenden Laptop
Beitrag im Media Research Blog

Was bedeutet es heute wirklich, mit dem Internet aufzuwachsen?

Das Forschungsnetzwerk EU Kids Online hat in seiner internationalen Vergleichsstudie neue Befunde zur Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen veröffentlicht. Claudia Lampert und Brian O’Neill erklären die komplexen Ergebnisse in einem englischsprachigen Blogartikel, der die Erfahrungen der jungen Menschen in den Mittelpunkt stellt.

Bis zum 27. September bewerben!

Bibliothekshelfer*in (m/w/d)

Wir suchen zum 1. November eine*n Bibliothekshelfer*in (m/w/d) in Teilzeit (7 Wochenstunden) zur Unterstützung unserer wissenschaftlichen Bibliothek im Institut. Die Stelle ist zunächst befristet bis 31.12.2026.

Portrait Azade Kakavand
Interview auf radioeins

Wie die AfD TikTok für den Wahlkampf nutzt

Am 6. September hat Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag gewählt. Azade Kakavand hat im Vorfeld der Wahl die Präsenz der Parteien auf TikTok untersucht und erläutert in der Sendung „Das Medienmagazin“ (radioeins, rbb), warum die AfD auch auf TikTok eine große Reichweite erzielen konnte.

junge Frau beugt sich über ein Buch in der Bibliothek des HBI
Bis zum 28. September bewerben!

Studierende*r Angestellte*r (m/w/d) im Bereich Bibliothek und Wissenschaftskommunikation

Wir suchen zum 1. November eine*n studierende*n Angestellte*n (m/w/d) im Bereich Bibliothek und Wissenschaftskommunikation. Mit monatlich 30 Stunden wirken Sie bei den vielfältigen wissenschaftsunterstützenden Aufgaben beider Bereiche mit, von der Benutzerbetreuung über redaktionelle Aufgaben bis hin zu Veranstaltungen.

Cover der Zeitschrift Ligante, Ausgabe 9
Beitrag in der Zeitschrift Ligante

Soziale Medien und der Wandel der gesellschaftlichen Verständigungsordnung

Der Beitrag von Jan-Hinrik Schmidt argumentiert, dass wir einen tiefgreifenden Wandel unserer gesellschaftlichen Verständigungsordnung erleben. Es kommt darauf an, die gesellschaftliche Verständigungsordnung resilient zu machen. Medientechnologien und Medieninstitutionen müssten so gestaltet sein, dass sie dem demokratischen Gemeinwohl dienen können und nicht autoritären Ideologien oder einer reinen ökonomischen Gewinnmaximierung.

Ein Mädchen schaut gebannt in einen Laptop. Hinter ihr ist ein Bücherregal.
Digitaler Kinder- und Jugendschutz

Expertenkommission legt Abschlussbericht vor

Die Expertenkommission „Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt“ hat Bundesfamilienministerin Karin Prien ihren Abschlussbericht vorgelegt. Dieser enthält alle Ergebnisse, die die Kommission in dem knappen Jahr seit ihrer Einsetzung erarbeitet hat: Bestandsaufnahme, Handlungsempfehlungen sowie die Ergebnisse der Kinder- und Jugendbeteiligung und des Prozesses der strategischen Vorausschau. In die Arbeit der Kommission ist die Expertise von Claudia Lampert eingeflossen.

Auf gelbem Hintergrund sind acht kleine Holzklötze mit stilisierten Personensymbolen in einer Gruppe angeordnet. Rechts daneben weist ein roter Pfeil auf eine freie Stelle in der Gruppe. Ein weiteres Personensymbol steht oberhalb des Pfeils.
Bis zum 30. September bewerben!

Rechtswissenschaftliche Promotionsstelle – Schwerpunkt Des­information und Jugendliche

Zum 1. November 2026 ist bei uns eine Rechtswissenschaftliche Promotionsstelle mit Schwerpunkt Desinformation und Jugendliche zu besetzen - befristet auf 3 Jahre, Teilzeit 75%, Entgeltgruppe 13 TV-L. Die Stelle ist in der Forschungsgruppe „Aufwachsen in digitalen Medienumgebungen“ angesiedelt. Kernaufgabe der Stelle ist die Mitbearbeitung der rechtswissenschaftlichen Teile des Forschungsprojekts „SETA – Safeguarding Epistemic Trust in Adolescents“.

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